Ort: KUNO-Hof, Wurzelbauerstraße 29, 90409 Nürnberg
bei schlechtem Wetter: Galeriehaus Nord, Wurzelbauerstraße 29, 90409 Nürnberg
Sonntag 16. August 2026 - 12.00 bis 18.20 Uhr
Open-Air-Lesebühne
Programmübersicht
12.00 – 12.10 Uhr: Grußwort Stadt Nürnberg: Natalie Keller (Stadträtin)
12.15 – 12.55 Uhr: Son Lewandowski (Klett-Cotta Verlag)
13.00 – 13.40 Uhr: Lukas Hoffmann (März Verlag)
Pause 13.40 – 13.50 Uhr
13.50 – 14.30 Uhr: Alisha Gamisch (Verlag Voland & Quist)
14.35 – 15.15 Uhr: Luca Spajic, Ramona Drodofsky, Selma Wudi (38. Fränkischer Preis für junge Literatur)
15.20 – 16.00 Uhr: Ricarda Messner (Suhrkamp Verlag)
Pause 16.00 – 16.10 Uhr
16.10 – 16.50 Uhr: Anja Gmeinwieser (Berlin Verlag)
16.55 – 17.35 Uhr: Annegret Liepold (Blessing Verlag)
17.40 – 18.20 Uhr: Nefeli Kavouras (Verlag Kiepenheuer & Witsch)
Tagesticket 10 €

© Kevin Wolf
Son Lewandowski
Die Routinen
Ein Gummibärchen essen, heute den Arm, morgen ein Bein. Was sich anhört wie ein Witz, ist Alltag für die Leistungsturnerin Amik. Für sie zählt jedes Gramm, jeder Wettkampf, jede Wiederholung. Und jede überschrittene Grenze nimmt Amik dafür hin. »Die Routinen« seziert eine Welt, von der jeder ahnt, dass sie hart ist, aber niemand sieht oder sehen will, wie ausbeutend ein System ist, auf dem so viel Glitzer und Glanzspray liegt.
Auf kraftvolle Weise erzählt Son Lewandowski von Sport und Politik, von fragilen Beziehungen und den Grenzen des eigenen, alternden Körpers. Die Geschichten von berühmten Turnerinnen und der größte Missbrauchs-skandal der Sportgeschichte werden in die Geschichte von Amik eingewebt und machen »Die Routinen« zu einer atemlosen Leseerfahrung.
Son Lewandowski lebt als Autorin und Kuratorin in Köln. 2023 wurde sie zum Klagenfurter Literaturkurs und der Autor*innenwerkstatt des LCB eingeladen. Mit »Die kurzen Karrieren« stand sie in dem Jahr auf der Shortlist des Edit-Essaypreises. 2024 wurde sie durch das Spaltmaße-Stipendium der Jürgen Ponto-Stiftung gefördert, 2025 durch das Arbeitsstipendium der Kunststiftung NRW.

© Mario Pastel
Lukas Hoffmann
Wassermann
Wie gelingt es, ein selbstbestimmtes, unabhängiges Leben zu führen und doch für andere zu sorgen? Lukas Hoffmann legt mit seinem Debüt einen soghaften Coming-of-Age-Roman über den Wunsch nach Solidarität vor.
Luk verlässt Deutschland, um Abstand zu seiner schmerzhaften Vergangenheit zu gewinnen. In Hamburg liegt seine Mutter im Sterben und sein bester Freund Bosse ist in der Psychiatrie. Ein Auslandssemester in Barcelona verspricht Ablenkung. Luk wird mitten hineingeworfen in die katalanischen Unabhängigkeitskämpfe, in Lärm, Staub, Euphorie. Er verliebt sich, rennt mit, rennt weg. Das Versprechen einer Revolution wird zum Spiegel seiner eigenen Zerrissenheit – ein Kampf gegen alles, was Halt verspricht. In Portugal, auf den Straßen, in fremden Betten versucht er, sich selbst neu zu erfinden, doch das Echo seiner sterbenden Mutter bleibt.
Lukas Hoffmann, 1995 geboren, lebte mehrere Jahre in Barcelona, wo er die Unabhängigkeitskämpfe und ihre Spannungen hautnah erlebte. Heute arbeitet er in Hamburg in der Sozialen Arbeit. Mit »Wassermann« legt er seinen Debütroman vor.

© Suzanne de Carrasco
Alisha Gamisch
Parasiti
Ein Brief sorgt für Aufruhr im Leben von Rina, ihrer Tante Valli und ihrer Großmutter Lydia: Von einem Tag auf den anderen verstummt die Großmutter. Rina beginnt, Fragen zu stellen – und bringt gegen alle Widerstände ein Gespräch zwischen den Generationen in Gang. Denn sie ahnt, dass sie von ihrer Familie nicht nur die eckige Figur und die Vorliebe für Vorabendserien geerbt hat, sondern auch ihre Ängste und Unsicherheiten.
Alisha Gamisch studierte in München und London Anglistik und Germanistik und lebt heute in Berlin. Ihr erster Gedichtband »Lustdorf« (Verlagshaus Berlin, 2020) wurde vom Haus für Poesie zu den besten Lyrikdebüts des Jahres gewählt. 2022 erhielt sie den Nora-Pfeffer-Preis für Lyrik des Bayerischen Kulturzentrums der Deutschen aus Russland, 2023 war sie Stipendiatin der Romanwerkstatt des Literarischen Colloquiums Berlin. Sie ist Gründungsmitglied des feministischen Vereins ›Wepsert e.V.‹ sowie Mitkuratorin und Moderatorin der Lesungs- und Diskussionsreihe ›PostOst-Café‹ im Maxim Gorki Theater Berlin. »Parasiti« ist ihr Debütroman.

© Ulrich Breuling
Luca Spajic, Selma Wudi und Ramona Drodofsky
Preisträger*innen beim 38. Fränkischen Preis für junge Literatur
Zehn junge Schreibende lasen beim Finale um den 38. Fränkischen Preis für junge Literatur. Ihre Texte hatte eine Fachjury unter Einsendungen aus ganz Franken ausgewählt. Zur Teilnahme am jährlichen Literaturwettbewerb aufgerufen hatten das Literaturzentrum Nord, KUNO e. V. mit den städtischen Kulturläden.
Für die beiden mit je 450€ ausgeschriebenen 1. Preise konnten die 29-jährige Luca Spajic (Würzburg) und die 25-jährige Isabell Sterner (Sennfeld) überzeugen. In »Spajic-Dorf« beschreibt Luca Spajic sensibel die grundlegenden Fragen nach Herkunft und Identität. In den Bergen Bosniens begegnen wir Tante Zorka, der Gemeinschaft von Familie, dem Krieg und der Erinnerung daran. Isabell Sterner taucht in ihrem Text »Muttertier« tief in die Auseinandersetzung mit der Beziehung zur eigenen Mutter. Zwischen Supermarktregalen und dem wiederholten Piep des Kassenscanners entwickelt sich eine dichte Sprache voller Zuneigung und Ablehnung, die mit hohem lyrischen Potenzial überzeugt.
Den 2. Preis, der mit 350€ dotiert ist, holte sich die 26-jährige Kamali Bauer aus Estenfeld mit »Blei oder so fühlt sich Schwere an«. Der Mittelpunkt der Erzählung ein See, liegt voller Blei, das an die Oberfläche getaucht wird. Eindrücklich wird hier eine Coming-Of-Age Geschichte mit der Schwere der Erinnerung verknüpft.
Selma Wudi (29, aus Nürnberg) erhielt den 3. Platz mit ihrem Text »Feueralarm«. Die Jury lobte das feine Gespür für Zwischentöne, den klaren, beobachtenden Stil und die präzise Sprache.
Den Publikumspreis (ein Jahresabo der Zeitschrift Federwelt gestiftet vom VS Mittelfranken) erhielt die 24-jährige Ramona Drodofsky aus Nürnberg mit ihrem Text »Rot«.
Kamali Bauer und Isabel Sterner lasen ihre Texte bereits im Juli bei den Texttagen Nürnberg.

© Diana Pfammatter
Ricarda Messner
Wo der Name wohnt
Hausnummer 36 und 37, hier in Berlin haben sie jahrelang in direkter Nachbarschaft gelebt. Als Kind spielte die Enkeltochter Tischtennis auf dem Glastisch im Wohnzimmer der Großeltern. Als Erwachsene löst sie deren Wohnung schließlich auf, bringt Besteck, Töpfe und Musikkassetten nach nebenan zu sich. Und sie will noch etwas bewahren: Levitanus, den Familiennamen. Der Wunsch, den Namen wieder anzunehmen, begleitet sie nicht nur im Alltag, sondern führt sie auch nach Riga. Sie folgt den Worten ihres Urgroßvaters Salomon und findet ein Fenster im ehemaligen Rigaer Ghetto, das eng mit ihrer Familiengeschichte verknüpft ist – und sie zeichnet die Bewegungen von vier Generationen nach, vom sowjetischen Lettland der siebziger Jahre bis nach Deutschland.
Ricarda Messner, geboren 1989, ist Mitbegründerin und Herausgeberin des Flaneur Magazins, das sich pro Ausgabe einer Straße in einer anderen Stadt widmet und mehrfach ausgezeichnet wurde. Sie erhielt 2025 den Literaturpreis Fulda und war im selben Jahr auf der Shortlist des Franz-Tumler-Literaturpreis positioniert. »Wo der Name wohnt« ist ihr Debütroman, für den sie das Alfred-Döblin-Stipendium erhielt. Sie lebt und arbeitet in Berlin.

© Linda Sier
Anja Gmeinwieser
Wir Königinnen
Eine Frau wandert durch die piemonteser Alpen, ihre kreisenden Gedanken finden keine Ruhe. Da kreuzt die pragmatische Lkw-Fahrerin Anna mit einer Ladung trächtiger Kühe ihren Weg. Aus einem spontanen „Ich fahre mit“ wird eine gemeinsame Reise Richtung Türkei. Zwischen Staub und Hitze ringen die ungleichen Frauen um Verständigung: Ihre Gespräche, unterstützt von einem zuweilen halluzinierenden Handy-Übersetzer, entdecken die Poesie im Alltäglichen. Anna jongliert Mutterrolle und Beruf, während ihre schweigsame Begleiterin sich in Zweifeln verliert. Ein Tag am See bringt kurzzeitige Harmonie, doch der Tod eines Rindes wirft Schatten voraus. An der EU-Außengrenze, wo Kühe und Träume stranden, mündet ihre Odyssee schließlich in einen Akt der Befreiung.
Anja Gmeinwieser, geboren 1989, studierte Soziale Arbeit sowie Politik-, Theater- und Medienwissenschaften in München und Erlangen. 2018/19 war sie auf der Shortlist des Wortmeldungen-Förderpreises, 2022/23 Teilnehmerin der Romanwerkstatt des Literaturhauses München und 2023 Finalistin beim open mike. Ihr Roman »Wir Königinnen« wird mit dem Literaturpreis Fulda als bestes Debüt 2026 ausgezeichnet. Sie lebt in der Nähe von Nürnberg.

© Daniela Pfeil
Annegret Liepold
Unter Grund
Inmitten des Schweigens ihrer Familie hat Franka sich schon immer verloren gefühlt. Bereits ihre Großmutter, genannt die Fuchsin, hortete Geheimnisse wie die schwarzen Steine in ihrer Schürze. Als Franka mit Ende Zwanzig in die fränkische Provinz mit den Himmelsweihern und Spiegelkarpfen zurückfährt, sieht sie endlich hin: Wie das war in den Nullerjahren, als Deutschland Weltmeister im eigenen Land werden wollte. Als ihr Vater starb und sie in Patrick und Janna Gleichgesinnte fand, die Unsicherheit mit Krawall, Frustration mit Faustschlägen übertünchten. Als sie immer tiefer in die rechte Szene einstieg. Sie beginnt Fragen zu stellen und sucht nach einer Haltung zur Vergangenheit.
Annegret Liepold, geboren 1990 in Nürnberg, hat Komparatistik und Politikwissenschaften in München und Paris studiert. Für die Arbeit an ihrem Debüt »Unter Grund« erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen, u.a. das Literaturstipendium der Stadt München sowie die Einladung zur 15. Schreibwerkstatt der Jürgen-Ponto-Stiftung und zur Romanwerkstatt des Literaturforums im Brecht-Haus Berlin. 2022 war sie Finalistin des open mike. 2025 erhielt sie den Debütpreis des Harbour Front Literaturfestivals und den Publikumspreis beim Franz-Tumler-Literaturpreis. Sie arbeitet für die »Bayerische Akademie des Schreibens« am Literaturhaus München.

© Stephan Obel
Nefeli Kavouras
Gelb, auch ein schöner Gedanke
Ein wunderbares Buch über eine Mutter-Tochter-Beziehung in einer nicht enden wollenden Ausnahmesituation, mal zärtlich und poetisch, mal wütend, humorvoll und sehr direkt erzählt mit einer überraschenden Wendung, die das Ende eines Lebens und unseren Umgang damit in ein völlig neues und unbekanntes Licht rückt.
Georg stirbt, und das schon viel zu lange. Während Ruth ihren Mann selbstvergessen zu Hause pflegt und sich darüber von ihrer fünfzehnjährigen Tochter Lea entfremdet, möchte die endlich Normalität und ungebremst ein jugendliches Leben führen. Ruth und Lea brauchen sich, driften aber immer weiter voneinander weg. Und dann passiert etwas mit Georg, mit dem keiner gerechnet hat.
»Das Moos tröstet, der Vater wiehert, das Sterben ist nicht Abschied, sondern Verwandlung, und wer pflegt denn bitte einen fremden Mann mit langen pinken Fingernägeln?! Willkommen, Nefeli Kavouras, in der deutsch-sprachigen Literatur, ja, was du hier für einen zärtlichen Krach geschaffen hast!« Saša Stanišic.
Nefeli Kavouras, geboren 1996 in Bamberg, studierte Kulturwissenschaften in Lüneburg. Sie arbeitet für den mairisch Verlag, kuratiert das Literaturprogramm der »altonale«, führt mit Anselm Neft den Literaturpodcast »laxbrunch« und moderiert und organisiert regelmäßig Lesungen. 2023 wurde sie für ihr Romanmanuskript mit dem Hamburger Literaturpreis ausgezeichnet. 2025 las sie auf Einladung von Laura de Weck daraus einen Auszug bei den 49. Tagen der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt.
WortWärts 2026: Praktische Informationen
Programmbroschüre
Zu WortWärts 2026 gibt es eine gedruckte Programmbroschüre . Diese ist ab Mitte Juli 2026 im KUNO und an vielen Auslagestellen in der Region erhältlich.
Hier steht die Broschüre auch als PDF-Exemplar zum Download bereit.





